Der Erwerb von Schwanzlurchen
Die häufigste Praxis:
Von Einsteigern in die Amphibienhaltung werden Molche meist in den Zoohandlungen gekauft. Hierbei handelt es sich fast ausschließlich um geschwächte, kranke Wildfänge, die schon schlimme Strapazen hinter sich haben. Inzwischen wird eine Schutzbehauptung, dass es sich dabei um Nachzuchten handelt, immer häufiger vorgebracht. Wenn die Händler hierfür keinen Nachweis erbringen können, kann aber wie bei vielen dort gegebenen "Haltungstipps" davon ausgegangen werden, dass dies nicht stimmt. Adulte Nachzuchten hätten einen so hohen Preis, dass sie kaum mehr verkauft werden könnten.
Meist handeln die Käufer in der guten Absicht so zumindest einige Tiere zu retten. Tatsächlich unterstützen sie damit aber nur das Prinzip des Massenimports und haben mit dem Kauf bereits verloren!
Ich bekomme fast täglich Anfragen wegen geschwächter Tiere, Molche mit offenen Stellen, langsam oder schnell sterbende Cynops orientalis ......
Mich macht das immer wütender - nicht auf die ahnungslosen Käufer sondern auf die Händler - die es besser wissen!
Es ist immer das Gleiche: Die ersten Molche sterben bei der Sammlung und Zwischenlagerung im Heimatland, die nächsten beim Export und Großhändler, und dann geht's weiter in den Zooläden. Die Toten werden einfach aussortiert und weiter geht der Rest. Von den Hunderttausenden die davon in den letzten Jahren verkauft wurden lebt mittlerweile nur noch ein verschwindend kleiner Rest. Die übrigen sind auf dem Weg oder in den Wohnzimmeraquarien verstorben.
Und das alles ist leider nicht übertrieben.
Die einzige Möglichkeit, diese Machenschaften zu stoppen ist ein Boykott des Kaufs von Wildfang-Massenimporten !
Wer nun bereits Tiere gekauft hat, sollte denen natürlich die größtmöglichen Überlebensaussichten geben. D.h. optimale Haltung und ganz dringend - mindestens eine Kotuntersuchung bei einem mit Amphibien erfahrenen Tierarzt (siehe "Links"); nicht bei dem "Tierarzt um die Ecke". In der Regel können die Proben an das Untersuchungsinstitut verschickt werden, so dass die Entfernung keine Rolle spielt.
Wenn dann Parasiten festgestellt werden (und das ist die Regel) benötigen die Molche für die Behandlungszeit eine halbsterile Unterbringung und konsequente Therapie.
Wie es besser geht:
Von Cynops ensicauda, orientalis und pyrrhogaster gibt es innerhalb des Cynops Register inzwischen ausreichend Zuchtgruppen, sodass für interessierte Molchhalter auch Nachzuchten zur Verfügung stehen. Natürlich kann nicht ganzjährig eine ausreichende Menge angeboten werden. Das heißt, wer eine bestimmte Form sucht muss teilweise längere Wartezeiten in Kauf nehmen. Außerdem bedeutet der Erwerb von Nachzuchten, dass es sich um Jungtiere handelt die i.d.R. noch an Land leben und somit anders gehalten werden müssen als adulte Tiere.
Viele Einsteiger schrecken vor dem Erwerb so kleiner Molche zurück, und trauen sich die Aufzucht nicht zu. Tatsächlich ist sie aber nach dem HIER beschriebenen Verfahren relativ unproblematisch, und die Haltung der oben beschriebenen Wildfangmolche macht meist deutlich mehr Schwierigkeiten. Außerdem lohnt die eigene Aufzucht immer!
Die neuen Molchhalter können dann, wenn es nach zwei bis drei Jahren eigene Nachzuchten gibt, bereits auf einen guten Erfahrungsschatz zurückgreifen. Nicht zu vergessen auch, dass der Erfolg von Nachzuchten bei selbst aufgezogenen Tieren deutlich höher zu bewerten ist als bei bereits "fertig" erworbenen.
Trotzdem werde ich von Interessenten häufig gebeten, doch die Nachzuchten für sie aufzuziehen. Es kann aber kein Molchzüchter leisten, einen Großteil seiner Nachzuchten bis zur Geschlechtsreife zu behalten. Bei artgerechter Pflege würde das jeden Rahmen (Zeit und Raum) sprengen.
Seltener wird auch der Preis kritisch hinterfragt, da die adulten Wildfangtiere meist zu Schleuderpreisen angeboten werden. Ich möchte hier deshalb ausdrücklich darauf hinweisen – mit der Nachzucht von Molchen der Gattung Cynops lässt sich kein Geld verdienen, oder auch nur die laufenden Kosten decken. Die Hobbyzüchter machen das aus Freude an den Tieren!
Paul Bachhausen Meine eigenen Nachzuchtangebote finden sich HIER!
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